Zum Inhalt springen

Wie oft solltest du Karteikarten wiederholen? Ein Plan

Von · Notibo

Veröffentlicht · 11 Min. Lesezeit · aktualisiert

Wie oft solltest du Karteikarten wiederholen? Ein Plan

Das Wichtigste in Kürze

  • Wiederhole eine neue Karte nach einem Tag, dann nach drei, sieben, vierzehn und dreißig Tagen. Fünf Wiederholungen in einem Monat halten die meisten Karten bis zur Klausur.
  • Eine nicht gewusste Karte geht zurück auf Tag 1. Nicht auf einen etwas kürzeren Abstand, sondern an den Anfang: Der Fehler heißt, der Abstand war zu lang.
  • Zehn bis zwanzig neue Karten am Tag. Das Anki-Handbuch rechnet vor, dass zwanzig neue Karten am Tag auf etwa 200 Wiederholungen am Tag hinauslaufen.
  • Der beste Abstand wächst mit der Zeit bis zur Klausur: bei Cepeda und Kollegen etwa 20 bis 40 Prozent einer Woche, 5 bis 10 Prozent eines Jahres. Für eine Klausur in acht Wochen sind ein bis zwei Wochen Abstand richtig.
  • Rückwärts rechnen: Klausur am 20. Februar heißt letzte Wiederholung in der Woche davor, Tag-30-Wiederholung Mitte Januar, also Kartenstart Mitte Dezember. Alles, was danach entsteht, bekommt die kurze Leiter.
  • Verteilen schlug das Büffeln bei Kornell für 90 Prozent der Teilnehmer, und 72 Prozent glaubten trotzdem, Büffeln sei besser gewesen. Der Plan ist dazu da, dieses Gefühl zu überstimmen.

Die kurze Antwort zuerst: Wiederhole eine neue Karteikarte nach einem Tag, dann nach drei Tagen, einer Woche, zwei Wochen und einem Monat. Weißt du sie jedes Mal, ist sie für zwei bis drei Monate sicher. Weißt du sie nicht, geht sie zurück auf Tag 1. Lege zehn bis zwanzig neue Karten am Tag an und rechne mit etwa 15 Minuten Wiederholung am Tag, sobald der Stapel sich eingependelt hat.

Das ist der ganze Plan. Der Rest dieses Artikels erklärt, was jeder Schritt in der Praxis heißt, was du bei einer nicht gewussten Karte tust, wie viele Karten du anlegen kannst, ohne zu ertrinken, wie du den Plan rückwärts von deiner Klausur im Februar oder Juli rechnest, und woher die Zahlen kommen. Wenn du erst wissen willst, warum Verteilen überhaupt wirkt, lies Spaced Repetition und komm dann für den Fahrplan zurück.

Wie sieht der Plan aus?

Fünf Wiederholungen in wachsenden Abständen, jede ein echter Antwortversuch, bevor du nachsiehst.

Wiederholung Wann Wenn du es weißt Wenn du es nicht weißt
1 Tag 1, der Tag nach dem Anlegen der Karte nächste Wiederholung an Tag 3 in derselben Einheit noch einmal, morgen wieder
2 Tag 3 nächste Wiederholung an Tag 7 zurück auf Tag 1
3 Tag 7 nächste Wiederholung an Tag 14 zurück auf Tag 1
4 Tag 14 nächste Wiederholung an Tag 30 zurück auf Tag 1
5 Tag 30 nächste Wiederholung in zwei bis drei Monaten zurück auf Tag 1

„Tag 1“ zählt ab dem Tag, an dem du die Karte angelegt oder den Stoff zum ersten Mal gelernt hast, nicht ab der Vorlesung. Die erste Wiederholung ist die, die die meisten auslassen, und sie ist die wichtigste, weil die Vergessenskurve am ersten Tag am steilsten ist. Murre und Dros haben Ebbinghaus' Experiment 2015 mit Abständen von 20 Minuten bis 31 Tagen wiederholt und dieselbe Form gefunden: Der große Verlust kommt früh, danach wird die Kurve flach.

Warum diese Abstände und keine anderen?

Die Abstände verdoppeln sich ungefähr, und das ist das Muster, das aus der Forschung fällt: Jeder erfolgreiche Abruf macht die Erinnerung haltbarer, also darf der nächste Abstand länger sein. Die genauen Zahlen sind nicht heilig. Cepeda und Kollegen fanden 2008 bei über 1.350 Teilnehmern, dass die Leistung bei jedem Testabstand mit wachsendem Wiederholungsabstand zunächst stieg und dann nur allmählich wieder fiel. Eine Wiederholung einen Tag zu früh oder zwei Tage zu spät kostet wenig. Eine ausgelassene kostet viel. Das Anki-Handbuch beschreibt dieselbe Idee mit anderen Zahlen: heute, dann 3 Tage später, 15 Tage später, 45 Tage später. Die Leiter ist das Prinzip, nicht die Sprossen.

Was tust du, wenn du eine Karte nicht weißt?

Zurück an den Anfang. Ein Fehler heißt, der Abstand war für diese Karte zu lang, und die Lösung ist ein kurzer Abstand, nicht ein etwas kürzerer.

In derselben Einheit noch einmal. Antwort lesen, Karte beiseitelegen, fünf Minuten später noch einmal beantworten. Der zweite Versuch zählt nicht als Treffer, er ist der erste Schritt des Neulernens.

Für morgen einplanen. Die Karte wird behandelt wie neu und geht die Leiter von Tag 1 an noch einmal hoch. Das fühlt sich nach Strafe an und ist keine. Eine Karte, die an Tag 14 fällt und auf Tag 10 geschoben wird, fällt meist wieder.

Karten umschreiben, die dreimal fallen. Eine Karte, die immer wieder scheitert, ist normalerweise eine schlechte Karte, kein schlechtes Gedächtnis. Sie fragt zwei Dinge auf einmal, oder sie fragt etwas, das du nie verstanden hast. Teile sie, oder geh zurück ins Skript und ins Tutorium und klär erst das Verständnis, dann die Karte. Das Anki-Handbuch beschreibt die Mechanik: Wer bei einer Wiederholungskarte auf Again drückt, erzeugt einen Lapse, und die Karte geht durch Relearning-Schritte, bevor sie wieder eine normale Wiederholungskarte wird.

Wie viele neue Karten am Tag?

Zehn bis zwanzig. Die Grenze setzen die Wiederholungen, die neue Karten erzeugen, nicht die Zahl, die du schreiben könntest. Jede Karte von heute kommt an Tag 1, 3, 7, 14 und 30 zurück, also pendelt sich ein Stapel, der um zwanzig am Tag wächst, bei rund 200 Wiederholungen am Tag ein. Die Zahl steht so im Anki-Handbuch, das genau davor warnt, und sie deckt sich mit dem, was die meisten Studierenden erleben: Zwanzig neue Karten am Tag gehen für ein Modul, nicht für drei.

Eine praktische Regel für ein volles Semester mit 30 Leistungspunkten: zehn neue Karten am Tag pro Modul, das du gerade aktiv lernst, und keine neuen Karten an Tagen, an denen der fällige Stapel über hundert liegt. Wie du die Zahl klein hältst, indem du eine Karte pro Idee schreibst statt eine pro Fakt, steht in Karteikarten aus deinen Notizen.

Wie lang sollte eine Einheit sein?

15 bis 20 Minuten am Tag, sobald der Stapel gereift ist, plus die Zeit für neue Karten. Eine Wiederholung dauert wenige Sekunden, wenn du die Antwort weißt, und eine halbe Minute, wenn nicht, also sind 200 Wiederholungen etwa 15 Minuten. Mach es jeden Tag zur selben Zeit. In der Regionalbahn mit dem Semesterticket, vor der ersten Vorlesung, in der Mensa nach dem Essen. Der Plan funktioniert nur, wenn die Wiederholung von Tag 3 an Tag 3 stattfindet.

Wie rechnest du den Plan rückwärts von der Klausur?

Deutsche Klausuren liegen meist in den zwei bis drei Wochen nach dem Ende der Vorlesungszeit. Am KIT endet die Vorlesungszeit des Wintersemesters 2026/27 am 20. Februar 2027, an der FU Berlin am 13. Februar, in Regensburg am 5. Februar. Im Sommersemester 2027 endet sie in Regensburg am 16. Juli. Deine Klausurtermine stehen im Prüfungsportal, sobald die Anmeldung offen ist, und ab dann kannst du rechnen.

Nimm den Klausurtag und zähle zurück:

  1. Die Woche vor der Klausur ist der letzte Durchgang: alle Karten des Moduls einmal, gemischt, und dazwischen Altklausuren.
  2. Tag 30 der Leiter sollte davor liegen. Für eine Klausur am 20. Februar heißt das: Die Tag-30-Wiederholung fällt Mitte Januar, also müssen die Karten Mitte Dezember angelegt sein.
  3. Alles, was später entsteht, bekommt eine kürzere Leiter. Karten aus der letzten Januarwoche laufen Tag 1, 3, 7, 14 und dann direkt in den letzten Durchgang.
  4. Karten aus der Klausurenphase laufen Tag 1, 2, 4, 7 und am Vortag. Lege in dieser Phase nur Karten für das an, was in einer Altklausur gescheitert ist.

Die Leiter passt sich der Zeit an, die du noch hast:

Zeit bis zur Klausur Wiederholungen pro Karte Abstände
Sechs Wochen oder mehr 5, dann ein letzter Durchgang Tag 1, 3, 7, 14, 30, dann die Woche vor der Klausur
Drei bis vier Wochen 5 Tag 1, 3, 7, 14, 21
Zwei Wochen 4 oder 5 Tag 1, 2, 4, 7, 12
Eine Woche 3 Tag 1, 3, 6
Zwei Tage 1 morgen, und das ist Büffeln

Je kürzer die Leiter, desto schneller verblasst der Stoff nach der Klausur, und das zählt, wenn das nächste Modul darauf aufbaut. Ein Wintersemester gibt dir vom ersten Vorlesungstag im Oktober bis zur Klausur im Februar rund 16 Wochen, ein Sommersemester von April bis Juli rund 14. Beides reicht für die lange Leiter, wenn die Karten in der Vorlesungszeit entstehen und nicht erst in der vorlesungsfreien Zeit. Wie Anmeldung, Rücktritt und Wiederholungsversuche geregelt sind, steht in Prüfungen an deutschen Universitäten.

Fünf Klausuren in zehn Tagen

Die meisten haben nicht eine Klausur, sondern fünf, und die liegen in Deutschland oft dicht. Der Plan ändert sich dadurch nicht, nur die Gewichtung. Ein Modul mit neun Leistungspunkten bekommt dreimal so viele neue Karten und dreimal so viel Wiederholungszeit wie eines mit drei. Und die Karten der Klausur, die zuerst kommt, bekommen in der letzten Woche den Vortritt. Was du für die vierte Klausur wiederholen musst, kannst du am Abend nach der ersten wiederholen. Der fällige Stapel weiß, was heute dran ist, du musst nur die Reihenfolge der Module kennen.

Was tust du, wenn du zurückgefallen bist?

Das passiert jedem, meist im Dezember oder in der Woche eines Übungsblatts, das länger dauerte als geplant. Der fällige Stapel steht bei 400, und der Impuls ist, den Stapel zu löschen oder das ganze Verfahren aufzugeben. Beides ist falsch.

  • Keine neuen Karten, bis der Stapel unter hundert ist. Der Stau kommt von neuen Karten, nicht von alten. Zwei oder drei Tage ohne neue Karten reichen meistens.
  • Fällige Karten nach Klausurnähe sortieren. Erst das Modul, dessen Klausur zuerst kommt. Der Rest wartet, und Warten kostet bei einer gereiften Karte wenig, weil ihre Kurve schon flach ist.
  • Zwei Einheiten am Tag statt einer langen. Morgens 15 Minuten, abends 15 Minuten. Eine Stunde am Stück am Sonntag fühlt sich nach Aufholen an und hält nicht.
  • Was nach einer Woche noch fällig ist, wird neu angelegt. Nicht als Strafe, sondern weil eine Karte, die zehn Tage überfällig ist, praktisch neu ist.

Wer den Rückstand so abbaut, ist nach einer Woche wieder im Rhythmus. Wer den Stapel löscht, fängt in der Klausurenphase bei null an.

Was sagt die Forschung?

Drei Befunde tragen den Plan.

Ebbinghaus: schnell vergessen, dann langsam

Hermann Ebbinghaus lernte in den 1880er Jahren Reihen sinnloser Silben, maß, wie viel er nach Abständen von zwanzig Minuten bis zu einem Monat wieder lernen musste, und veröffentlichte die Ergebnisse 1885 in Leipzig. Der größte Verlust kam in den ersten Stunden, danach wurde die Kurve flach. Murre und Dros haben das 2015 mit denselben Abständen wiederholt und dieselbe Kurve bekommen. Die erste Wiederholung muss früh kommen, weil dort der Verlust am größten ist.

Cepeda und Kollegen: der beste Abstand hängt vom Klausurtermin ab

Der stärkste Beleg für das Verteilen ist die Übersichtsarbeit von Cepeda, Pashler, Vul, Wixted und Rohrer aus dem Jahr 2006, die 839 Bewertungen aus 317 Experimenten zusammenführt. Verteiltes Lernen schlug massiertes Lernen fast überall, und der Abstand mit der besten Behaltensleistung wuchs mit der Zeit bis zum Test. Die Folgestudie von 2008 hat es beziffert: Als Anteil der Zeit bis zum Test lag der beste Abstand bei etwa 20 bis 40 Prozent, wenn der Test in einer Woche kam, und bei etwa 5 bis 10 Prozent, wenn er in einem Jahr kam. Für eine Klausur in acht Wochen sind das grob eine bis zwei Wochen Abstand. Deshalb wird die Leiter oben länger, und deshalb will eine Klausur im Juli längere Abstände als das Testat am Freitag.

Kornell: Verteilen schlägt Büffeln mit echten Karteikarten, und man spürt es nicht

Kornells Studie von 2009 spricht am direktesten zu Leuten mit Karteikarten. Teilnehmer lernten Wortpaare entweder als einen großen Stapel, in dem jede Karte erst nach vielen anderen wiederkam, oder als vier kleine Stapel nacheinander, und in einer weiteren Bedingung nur am Tag vor dem Test. Der große Stapel gewann für 90 Prozent der Teilnehmer. Nach der ersten Sitzung glaubten 72 Prozent, die kleinen Stapel hätten besser funktioniert. Büffeln fühlt sich wirksamer an, weil die Karte noch frisch ist, wenn sie wiederkommt. Genau dieses Gefühl soll der Plan überstimmen.

Der Mechanismus bei jeder Wiederholung ist Active Recall: Die Erinnerung wird durch den Abruf gestärkt, nicht durch das Anschauen. Wer die Antwort liest, bevor er sie versucht, macht aus der Wiederholung Lesen, und der Plan hört auf zu wirken.

Karteikasten oder App?

Beides geht. Auf Papier nimmst du fünf Fächer für 1, 3, 7, 14 und 30 Tage. Die Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg beschreibt das System auf ihrer Seite zu Karteikarten: einen Karteikasten mit fünf Trennfächern, in dem die gewussten Karten ein Fach weiter nach hinten rücken und nicht gewusste zurück ins erste Fach wandern. Das funktioniert gut für ein Modul und wird bei drei Modulen zur Verwaltungsarbeit.

Eine App übernimmt die Rechnung, zeigt dir den Stapel von heute und hält die Fehler ehrlich, weil sie dich eine unangenehme Karte nicht still überspringen lässt. Anki ist die übliche Wahl: Du schreibst die Karten selbst und stellst die Schritte in den Deck Options ein. Notibo baut die Karten aus deiner Vorlesungsaufnahme, aus Folien als PDF oder PPTX und aus Skripten als DOCX, und plant sie auf derselben Art Leiter. Das nimmt dir den Schritt, die Karten zu schreiben, aber nicht den Schritt, sie jeden Tag zu beantworten. Du kannst Pro 14 Tage lang kostenlos testen, mit 240 Aufnahmeminuten und ohne Kreditkarte. Nach der Probezeit sind 30 Minuten Aufnahme im Monat und fünf Dokumente kostenlos, Pro kostet 9,99 EUR im Monat mit 1.200 Minuten. Wie die Karten entstehen und wie die Wiederholung geplant wird, steht auf der Seite zu Karteikarten aus Vorlesungen und Folien.

Welches Werkzeug du auch nimmst: Der Plan ist Tag 1, 3, 7, 14, 30. Ein Fehler heißt zurück auf Tag 1. Und die Wiederholung von heute ist die einzige, die zählt.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich Karteikarten wiederholen?
Eine neue Karte am nächsten Tag, dann nach drei Tagen, einer Woche, zwei Wochen und einem Monat. Danach reicht alle zwei bis drei Monate. Jede Wiederholung ist ein echter Antwortversuch, bevor du umdrehst, und ein Fehler schickt die Karte zurück auf den Ein-Tages-Abstand.
Was mache ich, wenn ich eine Karte nicht weiß?
Zurücksetzen. Antwort lesen, Karte beiseitelegen, ein paar Minuten später noch einmal beantworten und für morgen einplanen, als wäre sie neu. Anki nennt das einen Lapse und schickt die Karte durch Relearning-Schritte, bevor sie wieder in den normalen Plan kommt. Auf Papier machst du dasselbe, indem die Karte zurück ins erste Fach wandert.
Wie viele neue Karten am Tag?
Zehn bis zwanzig. Das Anki-Handbuch warnt, dass bei zwanzig neuen Karten am Tag etwa 200 Wiederholungen am Tag zu erwarten sind, sobald der Stapel gereift ist. Weniger neue Karten und eine tägliche Einheit, die du wirklich machst, schlagen einen großen Schwung, hinter dem du zurückfällst.
Ist es zwei Wochen vor der Klausur zu spät?
Nein, aber du kürzt die Leiter auf Tag 1, 2, 4, 7 und 12 und akzeptierst, dass der Stoff nach der Klausur schneller verblasst. Zwei Wochen geben dir vier oder fünf Wiederholungen pro Karte, das reicht für den Termin. Zwei Tage geben dir eine, und das ist Büffeln mit Umweg.
Müssen die Abstände genau stimmen?
Nein. Bei Cepeda und Kollegen stieg die Leistung mit dem Abstand an und fiel danach nur allmählich ab, es gibt also keinen spitzen Gipfel. Eine Wiederholung einen Tag zu früh oder zwei Tage zu spät kostet wenig. Was viel kostet, ist eine ausgelassene Wiederholung oder ein Stapel, in dem du nur die Karten wiederholst, die du schon kannst.
Geht Spaced Repetition ohne App?
Ja. Ein Karteikasten mit fünf Fächern für 1, 3, 7, 14 und 30 Tage: Bei einem Treffer wandert die Karte ein Fach nach hinten, bei einem Fehler zurück ins erste Fach. Die Fakultät für Rechtswissenschaft der Uni Hamburg beschreibt genau dieses System. Eine App übernimmt nur die Rechnung und zeigt dir den Stapel von heute.
Was ist mit Karten, die ich in der Klausurenphase neu anlege?
Die bekommen die kurze Leiter. Eine Karte, die zehn Tage vor der Klausur entsteht, wird an Tag 1, 2, 4 und 7 wiederholt und ein letztes Mal am Vortag. Lege in dieser Phase nur Karten für das an, was in einer Altklausur gescheitert ist, nicht für den ganzen Stoff.
Wie sieht der Plan aus?
Fünf Wiederholungen in wachsenden Abständen, jede ein echter Antwortversuch, bevor du nachsiehst. „Tag 1“ zählt ab dem Tag, an dem du die Karte angelegt oder den Stoff zum ersten Mal gelernt hast, nicht ab der Vorlesung. Die erste Wiederholung ist die, die die meisten auslassen, und sie ist die wichtigste, weil die Vergessenskurve am ersten Tag am steilsten ist. Murre und Dros haben Ebbinghaus' Experiment 2015 mit Abständen von 20 Minuten bis 31 Tagen wiederholt und dieselbe Form gefunden: Der große Verlust kommt früh, danach wird die Kurve flach.

Quellen

  1. Distributed practice in verbal recall tasks: a review and quantitative synthesis (Cepeda u. a., Psychological Bulletin, 2006), Abstract bei PubMed (839 Bewertungen aus 317 Experimenten; der Abstand mit der besten Behaltensleistung wächst mit der Zeit bis zum Test)
  2. Spacing effects in learning: a temporal ridgeline of optimal retention (Cepeda u. a., Psychological Science, 2008), Abstract bei Europe PMC (über 1.350 Teilnehmer; Leistung steigt mit dem Abstand und fällt dann allmählich; bester Abstand 20 bis 40 Prozent einer Woche, 5 bis 10 Prozent eines Jahres)
  3. Optimising learning using flashcards: spacing is more effective than cramming (Kornell, Applied Cognitive Psychology, 2009) (ein großer Stapel schlug vier kleine für 90 Prozent der Teilnehmer; 72 Prozent glaubten nach der ersten Sitzung das Gegenteil)
  4. Replication and analysis of Ebbinghaus' forgetting curve (Murre und Dros, PLOS ONE, 2015) (die Vergessenskurve von 1885 mit Abständen von 20 Minuten bis 31 Tagen wiederholt)
  5. Anki-Handbuch: Deck Options (zwanzig neue Karten am Tag ergeben etwa 200 Wiederholungen am Tag; Again auf einer Wiederholungskarte ist ein Lapse mit Relearning-Schritten)
  6. Anki-Handbuch: Background (Abstände werden länger und länger, etwa heute, 3 Tage, 15 Tage, 45 Tage; Ebbinghaus 1885 als Ursprung)
  7. Karteikarten (Fakultät für Rechtswissenschaft, Universität Hamburg) (Karteikasten mit fünf Trennfächern; gewusste Karten ein Fach nach hinten, nicht gewusste zurück ins erste Fach)
  8. Termine und Fristen (KIT, Studium und Lehre) (Vorlesungszeit Wintersemester 2026/27 vom 26. Oktober 2026 bis 20. Februar 2027)

Über den Autor

Farhad Ba-Ali

Farhad Ba-Ali baut Notibo in Odense, Dänemark. Er schreibt über Lernmethoden, Gedächtnis und Notizen, ausgehend von den Fragen, die Studierende einschicken, und von dem, was die Daten des Produkts zeigen.

Bereit für bessere Notizen?

Lass Notibo mithören und deine Notizen und Zusammenfassungen schreiben. Teste Pro kostenlos, ohne Kreditkarte.

Kostenloses Konto erstellen

Zurück zum Blog