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Vom Abitur ins erste Semester: was sich wirklich ändert

Von · Notibo

Veröffentlicht · 15 Min. Lesezeit · aktualisiert

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut 22. Sozialerhebung sind es 17 Stunden Lehrveranstaltungen und 17 Stunden Selbststudium pro Woche. Die Akkreditierungsregeln rechnen mit 25 bis 30 Stunden je Leistungspunkt, 30 Punkte pro Semester.
  • Es gibt keinen Lehrplan mehr. Das Modulhandbuch nennt Lernziele, Leistungspunkte und Prüfungsform, die Prüfungsordnung die Regeln. Lies beide in der ersten Woche, nicht vor der ersten Klausur.
  • Niemand kontrolliert, ob du in der Vorlesung sitzt. In Nordrhein-Westfalen ist Anwesenheitspflicht nur in engen Ausnahmen erlaubt. Das Selbststudium plant keiner für dich, deshalb fällt es aus.
  • Von den Bachelorstudierenden der Jahrgänge 2016 und 2017 brachen 28 Prozent ab, an Universitäten 35 Prozent. Knapp die Hälfte der Abbrüche fällt in die ersten beiden Semester.
  • Plagiat ist Täuschung, auch ohne Absicht. Bonn droht mit 5,0, Geldbuße bis 50.000 Euro und Exmatrikulation. Lerne den Zitierstil deines Fachs in den ersten zwei Wochen.
  • Lernen heißt jetzt Abrufen statt Wiederlesen: Fragen aus jeder Vorlesung noch in derselben Woche, Antworten aus dem Gedächtnis in wachsenden Abständen, Altklausuren auf Zeit am Ende.

Die kurze Antwort zuerst: Das Abitur hatte einen Lehrplan, einen Stundenplan und einen Erwartungshorizont. Ein Studium gibt dir ein Modulhandbuch, eine Literaturliste und Fristen. Die Arbeitszeit ist nicht weniger geworden. Sie ist nur aus dem Klassenraum in Stunden gewandert, die niemand für dich plant. Und die Art, wie du fürs Abitur gelernt hast, war für eine Prüfung gebaut, die es so nicht mehr gibt.

Wenn du im Juli dein Zeugnis bekommen hast und das erste Semester schwerer ist als gedacht, liegt es daran. Das gilt für alle, die neu anfangen: mit Abitur, mit Fachabitur oder Fachhochschulreife, über eine Ausbildung mit Hochschulzugang oder nach ein paar Jahren im Beruf. Dieser Artikel beschreibt, was sich in der Praxis ändert, und was du im ersten Semester daraus machst.

Wer darf überhaupt anfangen, und wie kommt man rein?

Kurz, weil es vor dem ersten Tag liegt. Das Abitur ist die allgemeine Hochschulreife und öffnet jede Hochschule. Die Fachhochschulreife aus der Fachoberschule berechtigt laut Kultusministerkonferenz zum Studium an jeder Fachhochschule in Deutschland, die fachgebundene Hochschulreife zu bestimmten Studiengängen. Und es geht ohne Schule: Der KMK-Beschluss vom 6. März 2009 gibt Meistern im Handwerk und Inhabern von Fortbildungsabschlüssen mit mindestens 400 Unterrichtsstunden die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Wer eine mindestens zweijährige Berufsausbildung und drei Jahre Berufspraxis in einem zum Studiengang passenden Bereich hat, bekommt eine fachgebundene Berechtigung, nach einer Eignungsprüfung mit schriftlichem und mündlichem Teil oder nach einem erfolgreichen Probestudium von mindestens einem Jahr.

Die Zulassung ist ein zweiter Schritt. Zulassungsfreie Fächer nehmen jeden mit Berechtigung, zulassungsbeschränkte sortieren vor allem nach der Abiturnote, das ist der Numerus clausus. Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie werden zentral über hochschulstart.de vergeben, viele andere Fächer laufen über dasselbe Portal, aber die Hochschule prüft selbst. Mehr braucht es hier nicht. Die Stelle, an der Leute scheitern, ist nicht die Zulassung.

Wie viele Stunden hat eine Studienwoche?

Weniger im Hörsaal als in der Schule, und insgesamt mehr, als die meisten machen.

Die 22. Sozialerhebung, erhoben im Sommer 2021 vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung und dem Deutschen Studierendenwerk bei fast 188.000 Studierenden, sagt es im Hauptbericht so: Studierende wenden im Schnitt etwa 17 Stunden pro Woche für Lehrveranstaltungen sowie 17 Stunden für das Selbststudium auf, zusammen rund 34 Wochenstunden, was in etwa einer Vollzeitbeschäftigung entspricht. Bei Vollzeitstudierenden im Präsenzstudium sind es 36,3 Stunden, davon 17,9 Stunden Lehrveranstaltungen und 18,4 Stunden Selbststudium. Für Erwerbstätigkeit kommen im Schnitt rund 15 Stunden dazu, und der Bericht zieht den Schluss selbst: Je höher der Erwerbsaufwand, desto geringer der studienbezogene Zeitaufwand.

Jetzt der Vergleich mit dem, wofür der Studiengang gebaut ist. Die Musterrechtsverordnung der Kultusministerkonferenz vom 21. November 2024 legt fest, dass je Semester in der Regel 30 Leistungspunkte zugrunde liegen und ein Leistungspunkt einer Gesamtarbeitsleistung im Präsenz- und Selbststudium von 25 bis höchstens 30 Zeitstunden entspricht. Die TUM (Bayern) rechnet in § 7 ihrer Prüfungsordnung mit 30 Stunden je Credit, die FU Berlin (Berlin) in § 10 ihrer Rahmenordnung ebenfalls. Ein Semester ist also für 750 bis 900 Stunden geplant. Verteilt auf etwa 20 Wochen inklusive Prüfungsphase sind das 38 bis 45 Stunden pro Woche.

Rechne es für deinen Stundenplan durch

Dein Stundenplan zeigt Semesterwochenstunden, also die Zahl der Stunden, die du pro Woche in Lehrveranstaltungen sitzt. Zieh sie von 40 ab. Mit 18 Stunden Vorlesung, Übung und Seminar rechnet der Studiengang mit weiteren 20 bis 25 Stunden, die nirgends stehen. Der Durchschnitt liegt bei 17 bis 18. Das ist die Lücke.

In der Schule waren fast alle Arbeitsstunden von jemand anderem geplant und beaufsichtigt. Jetzt sind die meisten es nicht, und nichts in der Woche sagt dir, wann sie stattfinden sollen. Deshalb fallen sie leise aus. Das ist die größte Änderung, und sie ist ein Planungsproblem, bevor sie ein Lernproblem ist. Trag die Stunden für das Selbststudium schriftlich in die Woche ein, so wie früher der Stundenplan es getan hat.

Was ersetzt den Lehrplan und den Erwartungshorizont?

Fürs Abitur gab es einen Lehrplan, und die alten Prüfungen mit Erwartungshorizont lagen beim Lehrer oder im Netz. Du konntest sehen, was Punkte bringt, und ein guter Lehrer hat zwei Jahre Unterricht darum gebaut.

Ein Modul veröffentlicht keinen Erwartungshorizont. Es veröffentlicht zwei andere Dinge, und die sind der neue Lehrplan.

  • Das Modulhandbuch. Für jedes Modul die Lernziele, die Leistungspunkte, die Prüfungsform, die Zulassungsvoraussetzungen. Die RWTH Aachen (Nordrhein-Westfalen) schreibt in ihrer Übergreifenden Prüfungsordnung, die in Prüfungsordnungen oder Modulhandbüchern formulierten Lernziele müssen erreicht und durch die vorgesehenen Prüfungsleistungen abgeprüft werden können. Die Klausur ist an die Lernziele gebunden. Mach aus jedem Lernziel eine Frage, und du hast das Skelett der Prüfung.
  • Die Prüfungsordnung. Versuche, Fristen, Notenskala, Rücktritt, Attest, Täuschung. Sie ist eine Satzung, und sie entscheidet, was ein verpasster Termin kostet. Wie sie an TUM, RWTH, KIT und FU Berlin aussieht, steht in so funktionieren Prüfungen an deutschen Unis.

Lies beides in der ersten Woche mit der Aufmerksamkeit, die du früher dem Erwartungshorizont gegeben hast. Dozierende sind oft überrascht, wie wenige es getan haben.

Altklausuren gibt es noch

Sie sind nur schwerer zu finden. Fachschaften sammeln sie, manche Lehrstühle stellen sie in die Lernplattform, oft ohne Lösung. Das ist keine Lücke, die du durch Raten füllst. Nimm eine alte Aufgabe mit in die Sprechstunde oder ins Tutorium und frag, was eine gute Antwort tut. Zehn Minuten davon sind mehr wert als ein Wochenende Wiederlesen.

Vorlesung, Übung, Tutorium, Seminar: was wird erwartet?

In der Schule hat eine Lehrkraft alles im selben Raum gemacht. An der Universität sind die Rollen getrennt, und an der Trennung reibt sich das erste Semester.

Die Germanistik der LMU München (Bayern) beschreibt die Vorlesung als in der Regel monologische Veranstaltung: eine spricht, der Rest hört zu und schreibt mit. Die Fachschaft Mathematik und Informatik der Uni Köln (Nordrhein-Westfalen) nennt es Frontalunterricht mit einem Dozenten und meist mehreren hundert Studierenden, ohne Anwesenheitspflicht. Niemand prüft, ob du mitgekommen bist. Dozierende sagen mehr, als auf den Folien steht, und das ist das Argument dafür hinzugehen, auch wenn die Folien online sind. Notizen aus der Vorlesung sind Rohmaterial. Sie ungelesen abzulegen ist der häufigste Fehler im ersten Jahr.

Die Übung ist das Gegenstück. Die Kölner Fachschaft beschreibt sie als Kleingruppe mit 15 bis 20 Studierenden, meist einmal die Woche, in der ein Übungsleiter die Lösungen der Übungsblätter bespricht, die wöchentlich ausgegeben werden. In vielen Fächern sind die Übungsblätter die Zulassung zur Klausur. Das Tutorium gibt es nicht überall, aber wo es das gibt, erklärt dort ein Assistent des Dozenten Teile der Vorlesung noch einmal und gibt Hilfestellung. Hingehen.

Das Seminar ist die dritte Form. Die LMU nennt Seminare dialogische Lehrveranstaltungen mit Referaten, Moderationen und Lektüreaufträgen, und sie rechnet vor: Ein thematisches Seminar mit sechs ECTS-Punkten steht für 180 Arbeitsstunden, davon etwa 20 im Raum und bis zu 160 in Vor- und Nachbereitung. Das Historische Seminar der Goethe-Universität Frankfurt (Hessen) beschreibt in seiner Typologie das Proseminar als Einführung mit verbindlichem Tutorium und das Seminar als Veranstaltung, für die ein bestandenes Proseminar Voraussetzung ist und die mit Referat und Hausarbeit oder einem Portfolio abgeschlossen wird. Zwei Gewohnheiten nehmen dem Seminar das Unbehagen: Lies den Text vor der Sitzung, auch wenn du nur einen Teil schaffst, und komm mit einer Frage und einem Punkt, den du sagen willst.

Die Literaturliste

Die Literaturliste ersetzt das Schulbuch, und sie ist länger, als jemand lesen kann. Sie ist nicht dafür gedacht, ganz gelesen zu werden. Die Pflichtlektüre ist das, was das Seminar voraussetzt. Der Rest ist für Hausarbeiten da. Geh die Liste in Woche eins durch, markiere die Pflichttexte, und lies die vor der Sitzung, zu der sie gehören.

Kontrolliert jemand, ob du da bist?

In der Vorlesung nein, und das ist rechtlich so gewollt. Das Justitiariat der Uni Köln schreibt, eine Anwesenheitspflicht ist nicht grundsätzlich erlaubt, sondern nur bei Vorliegen bestimmter enger Voraussetzungen möglich, nach § 64 des Hochschulgesetzes Nordrhein-Westfalen. Sie muss für jede Veranstaltung einzeln in der Prüfungsordnung stehen, und eine Abwesenheit von unter einem Drittel der Gesamtdauer ist in der Regel unschädlich. Die RWTH Aachen weist anwesenheitspflichtige Lehrveranstaltungen im Modulhandbuch aus und erlaubt je nach Inhalt zwischen 10 und 30 Prozent Fehlzeit, im Zweifel 30 Prozent.

Es gibt Ausnahmen, und sie werden mehr. Die Kölner Fachschaft Mathematik und Informatik meldet, dass in den Übungen für Module der ersten beiden Semester seit dem Wintersemester 2024/25 Anwesenheitspflicht gilt. Labore, Sprachkurse und Exkursionen sind fast überall Pflicht.

Der Punkt ist nicht, ob du in die Vorlesung darfst oder musst. Der Punkt ist, dass für die 17 Stunden Selbststudium niemand eine Liste führt. Die Schule hat Anwesenheit kontrolliert und damit auch die Arbeit. Die Universität kontrolliert die Klausur, Monate später. Zwischen beidem liegt ein Semester, in dem Fehlzeiten unsichtbar bleiben.

Zählt das erste Semester?

Ja, und das ist ein Unterschied zu Großbritannien, wo das erste Jahr oft mit null gewichtet wird. In Deutschland gehen Modulnoten in der Regel vom ersten Semester an in die Abschlussnote ein, gewichtet nach Leistungspunkten. Die RWTH erlaubt Ausnahmen: Die studiengangspezifischen Prüfungsordnungen können vorsehen, dass im ersten oder zweiten Semester keine Noten vergeben werden. Ob deine das tut, steht in der Prüfungsordnung, nicht im Gerücht.

Es zählt noch auf eine zweite Art. Viele Ordnungen haben eine Orientierungsprüfung oder eine Fortschrittskontrolle im ersten Jahr. Am KIT (Baden-Württemberg) sind bestimmte Module bis zum Ende des Prüfungszeitraums des zweiten Fachsemesters abzulegen, und wer sie bis zum Ende des dritten nicht bestanden hat, verliert den Prüfungsanspruch. Die TUM verlangt in sechssemestrigen Bachelorstudiengängen bis zum Ende des dritten Fachsemesters mindestens 30 Credits, bis zum Ende des vierten 60, und für Physik ist die Grundlagen- und Orientierungsprüfung nach zwei Fehlversuchen und einem verpassten Drittversuch endgültig nicht bestanden.

Und es zählt statistisch. Das DZHW hat für die Bachelorstudierenden der Anfängerjahrgänge 2016 und 2017 eine Abbruchquote von 28 Prozent, an Universitäten 35 Prozent berechnet, in den Geisteswissenschaften an Universitäten 49 Prozent, in Mathematik und Naturwissenschaften 50, in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 21, im Lehramt 10. Eine frühere Studie desselben Instituts fand 2017, dass knapp die Hälfte der Abbrüche in den ersten beiden Semestern passiert und weitere 29 Prozent im dritten oder vierten, und dass das häufigste Motiv unbewältigte Leistungsanforderungen waren, mit 30 Prozent, vor mangelnder Studienmotivation mit 17 und dem Wunsch nach praktischer Tätigkeit mit 15 Prozent. Finanzielle Engpässe spielten laut DZHW nur eine nachrangige Rolle.

Das erste Semester ist also nicht das Jahr, das nichts kostet. Es ist das Jahr, in dem die meisten Entscheidungen fallen, und die Arbeitsgewohnheiten, die du jetzt baust, sind die, mit denen du die nächsten fünf Semester bestreitest.

Was gilt jetzt als Täuschung?

Mehr als in der Schule, und Absicht ist keine Voraussetzung. Das Institut für Medien und Kommunikation der Uni Hamburg (Hamburg) verlangt in seinen Hinweisen zum Plagiat, dass alle schriftlichen Ausarbeitungen selbstständig verfasst und Zitate sowie fremde Quellen nach den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis gekennzeichnet werden. Arbeiten, in denen Fremdtexte als Eigenleistung ausgegeben werden, kommen mit 5,0 zurück, der Täuschungsversuch wird dem Prüfungsausschuss angezeigt, und unter jeder Hausarbeit steht eine unterschriebene Erklärung, dass alle Stellen, die dem Wortlaut oder dem Sinne nach anderen Texten entnommen sind, nachgewiesen wurden. Sinngemäß zählt. Umformulieren ohne Quelle ist ein Plagiat.

Die Philosophische Fakultät der Uni Bonn (Nordrhein-Westfalen) zählt auf, was noch unter Täuschung fällt: Abschreiben in der Klausur, unerlaubte Hilfsmittel, gefälschte Daten, Ghostwriting. Die Folgen: 5,0, eine Ordnungswidrigkeit mit Geldbuße bis 50.000 Euro, und bei mehrfachen oder schweren Fällen kann der Rektor exmatrikulieren. KI wie ChatGPT ist in Bonn grundsätzlich verboten, es sei denn, die Prüfenden erlauben sie ausdrücklich und für alle gleich. Die Goethe-Universität Frankfurt geht den anderen Weg: KI ist erlaubt, solange sie nicht die bewertungsrelevante Eigenleistung ersetzt, und jede Nutzung muss gekennzeichnet werden. Fehlt die Kennzeichnung, ist es auch dort ein Täuschungsversuch. Die TUM lässt sich in ihrer Prüfungsordnung erlauben, Arbeiten per Software auf nicht kenntlich gemachte Textpassagen zu prüfen, und mit der Abgabe stimmst du zu.

In der Schule musstest du selten zitieren. Jetzt braucht jede Aussage, die von irgendwo kommt, einen Beleg in einem festen Stil, und den legt dein Fach fest. Lern ihn in den ersten zwei Wochen aus dem Leitfaden deines Instituts, und zitiere beim Schreiben, nicht am Ende. Bei KI bleibt die Regel einfach: Wenn du einen Satz nicht erklären und verteidigen könntest, ist er nicht deine Arbeit.

Was heißt „lernen“ jetzt?

Fürs Abitur hieß Lernen, den Lehrplan in den Kopf zu bekommen und gegen den Erwartungshorizont zu üben, bis die Antworten in der Form kamen, die der Korrektor wollte. Das hat funktioniert, weil die Prüfung Wiedergabe in bekannter Struktur belohnt hat.

Eine Klausur an der Universität belohnt etwas anderes. Sie ist an Lernziele gebunden, sie hat wenige Versuche, und die Lücke zwischen letzter Vorlesung und erster Klausur ist ein Wochenende, wie der Semesterplan an Münster und Hamburg zeigt. Die Prüfung fragt nicht, ob du den Stoff gesehen hast, sondern ob du ihn abrufen und anwenden kannst.

Also ändert sich die Methode.

  • Abrufen statt Wiederlesen. Notizen zu, eine Frage aus dem Gedächtnis beantworten, dann nachsehen. Das ist Active Recall, und es ist einer der am besten belegten Befunde der Lernforschung.
  • Wachsende Abstände. Die Fragen nach einem Tag, einer Woche und einem Monat noch einmal beantworten statt in einem Block. Das ist Spaced Repetition, und der Abstand zählt mehr als die Gesamtstunden. Wie Karteikarten mit Wiederholungsplan das übernehmen, steht auf der Funktionsseite.
  • Fragen aus jeder Vorlesung, noch in derselben Woche. Zehn Minuten nach der Vorlesung, drei oder vier Fragen. Das ist die Gewohnheit, die ein Wochenende Lücke überlebbar macht.
  • Altklausuren unter Zeit am Ende. Die letzten drei Wochen vor der Prüfungsphase sind für alte Aufgaben mit Uhr, nicht für erstes Lesen.

Vorlesungen aufnehmen

Wo es erlaubt ist, nimmt die Aufnahme der Vorlesung den schlechtesten Tausch im Raum weg: alles mitschreiben oder richtig zuhören. Die Erlaubnis ist nicht automatisch. Sie hängt von der Universität und meist von der Lehrperson ab, und sie muss vor der ersten Aufnahme eingeholt werden, nicht danach. Was gilt und wie du fragst, steht in Vorlesungen aufzeichnen in Deutschland. Hast du die Erlaubnis, ist die Aufnahme erst nützlich, wenn sie zu Fragen geworden ist. Niemand hat Zeit, ein Semester noch einmal anzuhören.

Wie finanzierst du das, und was kostet es an Zeit?

Kurz, weil die Zahlen den Wochenplan direkt betreffen. 63 Prozent der Studierenden waren laut der 22. Sozialerhebung erwerbstätig, im Schnitt rund 15 Stunden pro Woche. Die Minijob-Grenze liegt 2026 bei 603 Euro im Monat, das sind beim Mindestlohn von 13,90 Euro etwa 43 Stunden im Monat. BAföG-Geförderte dürfen laut bafög.de bis zu dieser Grenze hinzuverdienen. Als Werkstudent bleibst du in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung frei, solange du in der Vorlesungszeit höchstens 20 Stunden pro Woche arbeitest, nur der Rentenbeitrag fällt an. In der vorlesungsfreien Zeit darf es mehr sein.

Rechne die Stunden gegen die 36, die ein Vollzeitstudium in Präsenz laut Sozialerhebung im Schnitt braucht. 15 Stunden Arbeit sind keine Nebensache, sie sind ein Drittel der Studienzeit, und die Sozialerhebung misst genau diesen Effekt. Wenn du arbeiten musst, plan die Studienstunden zuerst und den Job um sie herum, nicht umgekehrt. Wie BAföG-Sätze, Regelstudienzeit und Leistungsnachweis zusammenhängen, steht im Semesterplan.

Wie sieht eine Woche im ersten Semester aus?

Ungefähr so, für jedes Modul, jede Woche:

  1. Zehn Minuten nach jeder Vorlesung, in denen du den Stoff in Fragen verwandelst, statt die Notizen abzulegen.
  2. Das Übungsblatt vor der Übung, nicht danach, auch wenn du es nur halb schaffst.
  3. Ein Vorbereitungsblock vor jedem Seminar, mit einer Frage und einem Punkt.
  4. Eine Wiederholung, in der du die Fragen der Vorwoche aus dem Gedächtnis beantwortest.
  5. Ein Blick in den Kalender, um Fristen und Anmeldezeiträume nachzutragen, die aufgetaucht sind.

Das ist viel Nachbereitung zusätzlich zum Lesen, und Nachbereitung ist der Schritt, den Leute um Woche sechs fallen lassen. Wenn etwas weichen muss, kürze die Menge, die du liest, bevor du die Fragen kürzst.

Nichts davon macht das erste Semester leicht, und das soll es nicht. Das Abitur hat gemessen, wie viel eines bekannten Lehrplans du an einem Tag in bekannter Form wiedergeben konntest. Ein Studium misst, ob du Material findest, beurteilst und benutzt, immer wieder, in einem Rhythmus, den du selbst setzt. Die meisten, die im ersten Semester kämpfen, sind nicht weniger fähig als im Juli. Sie fahren eine Methode, die für eine andere Prüfung gebaut war.

Wo Notibo hineinpasst

Wenn das Schreiben der Fragen der Schritt ist, der wegfällt, nimmt Notibo die Vorlesung auf oder nimmt eine hochgeladene Audiodatei und liefert am selben Abend Transkript, strukturierte Notizen und Karteikarten mit Spaced Repetition. Aus PDF, PPTX und DOCX macht es ebenfalls Notizen und Karteikarten, das deckt Folien und Literaturliste ab. Wofür Studierende es sonst nutzen, steht auf der Seite für Studierende. Es arbeitet in 89 Sprachen, Deutsch ist voll unterstützt. Der kostenlose Tarif enthält 30 Aufnahmeminuten im Monat, genug für einen Versuch mit einer Vorlesung. Pro kostet 9,99 Euro im Monat mit sieben Tagen Probezeit im Monatsabo oder 99,99 Euro im Jahr. Uploads sind auf 50 MB begrenzt, lange Aufnahmen werden auf dem Handy in 30-Minuten-Dateien geteilt und zu einem Transkript zusammengefügt. Die Dateien liegen in der EU bei Supabase in Frankfurt, Transkription und KI-Notizen laufen bei US-Anbietern auf Grundlage von Standardvertragsklauseln. Aufnehmen braucht die Erlaubnis der Lehrperson, also frag, bevor du etwas drückst. Es denkt nicht für dich. Es sorgt nur dafür, dass deine Selbststudiumsstunden ins Beantworten der Fragen gehen und nicht ins Abtippen.

Häufige Fragen

Wie viele Stunden pro Woche muss ich im Studium lernen?
Mehr, als der Stundenplan zeigt. Die 22. Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerks und des DZHW, erhoben im Sommer 2021 bei fast 188.000 Studierenden, misst im Schnitt 17 Stunden pro Woche für Lehrveranstaltungen und 17 Stunden für das Selbststudium, bei Vollzeitstudierenden in Präsenz 36,3 Stunden. Die Musterrechtsverordnung der Kultusministerkonferenz rechnet mit 25 bis 30 Stunden je Leistungspunkt und 30 Punkten je Semester, also 750 bis 900 Stunden. Die TUM und die FU Berlin setzen 30 Stunden je Punkt an. Über 20 Vorlesungswochen sind das 40 Stunden pro Woche, Vorlesungen eingerechnet.
Was ist der Unterschied zwischen Vorlesung, Übung, Tutorium und Seminar?
Die Germanistik der LMU beschreibt Vorlesungen als in der Regel monologische Veranstaltungen: eine spricht, der Rest hört zu und schreibt mit. Seminare sind dort dialogisch, mit Referaten, Moderationen und Lektüreaufträgen. Die Fachschaft Mathematik und Informatik der Uni Köln erklärt die Übung als Kleingruppe mit 15 bis 20 Studierenden, in der wöchentlich ausgegebene Übungsblätter besprochen werden, und das Tutorium als Stunde, in der ein Assistent Teile der Vorlesung noch einmal erklärt. Ein Seminar mit sechs ECTS-Punkten steht laut LMU für 180 Arbeitsstunden, davon etwa 20 im Raum und bis zu 160 in Vor- und Nachbereitung.
Gibt es an der Uni Anwesenheitspflicht?
In Vorlesungen fast nie, sonst nur, wo die Prüfungsordnung sie ausdrücklich vorsieht. Das Justitiariat der Uni Köln schreibt, eine Anwesenheitspflicht ist nach § 64 des Hochschulgesetzes NRW nicht grundsätzlich erlaubt, sondern nur unter engen Voraussetzungen, und eine Abwesenheit von unter einem Drittel der Gesamtdauer ist in der Regel unschädlich. Die RWTH Aachen weist anwesenheitspflichtige Veranstaltungen im Modulhandbuch aus und erlaubt je nach Inhalt 10 bis 30 Prozent Fehlzeit. Die Kölner Fachschaft Mathematik und Informatik meldet, dass in den Übungen der ersten beiden Semester seit dem Wintersemester 2024/25 Anwesenheitspflicht gilt. Für das Selbststudium gibt es keine Kontrolle.
Wie viele brechen das Studium ab?
Das DZHW berechnet für die Bachelorstudierenden der Anfängerjahrgänge 2016 und 2017 eine Abbruchquote von 28 Prozent, an Universitäten 35 Prozent, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften 20 Prozent. An Universitäten liegt sie in den Geisteswissenschaften bei 49 und in Mathematik und Naturwissenschaften bei 50 Prozent, in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bei 21 und im Lehramt bei 10 Prozent. Eine frühere DZHW-Studie von 2017 fand, dass knapp die Hälfte der Abbrüche in den ersten beiden Semestern passiert und weitere 29 Prozent im dritten oder vierten. Häufigstes Motiv waren unbewältigte Leistungsanforderungen mit 30 Prozent.
Kann ich ohne Abitur studieren?
Ja, über die berufliche Bildung. Der Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 gibt Meistern im Handwerk und Inhabern von Fortbildungsabschlüssen mit mindestens 400 Unterrichtsstunden eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Wer eine mindestens zweijährige Berufsausbildung und drei Jahre Berufspraxis in einem zum Studiengang passenden Bereich hat, bekommt eine fachgebundene Berechtigung nach einer Eignungsprüfung oder einem erfolgreichen Probestudium von mindestens einem Jahr. Zulassungsbeschränkte Fächer wie Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie laufen zentral über hochschulstart.de.
Wie finanziere ich das Studium neben BAföG?
Mit Arbeit, wie die meisten. 63 Prozent der Studierenden waren laut 22. Sozialerhebung erwerbstätig, im Schnitt rund 15 Stunden pro Woche, und die Erhebung sagt auch: Je höher der Erwerbsaufwand, desto geringer der Zeitaufwand fürs Studium. Die Minijob-Grenze liegt 2026 bei 603 Euro im Monat, das sind bei 13,90 Euro Mindestlohn etwa 43 Stunden. BAföG-Geförderte dürfen bis zu dieser Grenze hinzuverdienen. Als Werkstudent bleibst du laut AOK in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung frei, solange du in der Vorlesungszeit höchstens 20 Stunden pro Woche arbeitest, nur der Rentenbeitrag fällt an.
Was gilt als Plagiat?
Fremde Gedanken, Ideen oder Texte ohne korrekte Quellenangabe als eigene auszugeben, wörtlich oder sinngemäß. Das Institut für Medien und Kommunikation der Uni Hamburg gibt solche Arbeiten mit 5,0 zurück, meldet den Täuschungsversuch dem Prüfungsausschuss und verlangt unter jeder Hausarbeit eine unterschriebene Erklärung. Die Philosophische Fakultät der Uni Bonn nennt als Folgen 5,0, eine Geldbuße bis 50.000 Euro und bei mehrfachen oder schweren Täuschungen die Exmatrikulation, und behandelt ungenehmigte KI-Nutzung als Täuschungsversuch. Die Goethe-Universität Frankfurt erlaubt KI mit Kennzeichnung, ohne Kennzeichnung ist es ein Täuschungsversuch.
Wer darf überhaupt anfangen, und wie kommt man rein?
Kurz, weil es vor dem ersten Tag liegt. Das Abitur ist die allgemeine Hochschulreife und öffnet jede Hochschule. Die Fachhochschulreife aus der Fachoberschule berechtigt laut Kultusministerkonferenz zum Studium an jeder Fachhochschule in Deutschland, die fachgebundene Hochschulreife zu bestimmten Studiengängen. Und es geht ohne Schule: Der KMK-Beschluss vom 6. März 2009 gibt Meistern im Handwerk und Inhabern von Fortbildungsabschlüssen mit mindestens 400 Unterrichtsstunden die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung.

Quellen

  1. Die Studierendenbefragung in Deutschland: 22. Sozialerhebung, Hauptbericht (DZHW und Deutsches Studierendenwerk, 2023) (17 Stunden Lehrveranstaltungen und 17 Stunden Selbststudium pro Woche, 36,3 Stunden bei Vollzeit in Präsenz, rund 15 Stunden Erwerbstätigkeit)
  2. Studierendenbefragung in Deutschland: 22. Sozialerhebung (DZHW, Meldung vom 24. Mai 2023) (fast 188.000 Befragte im Sommer 2021, 63 Prozent erwerbstätig, 24 Prozent gesundheitlich beeinträchtigt)
  3. Die Entwicklung der Studienabbruchquoten in Deutschland (DZHW, Meldung vom 17. August 2022) (28 Prozent Abbruch im Bachelor, 35 Prozent an Universitäten, 20 Prozent an HAW, Quoten nach Fächergruppen)
  4. Studienabbrecher beginnen häufig eine Berufsausbildung (DZHW, Meldung vom 1. Juni 2017) (knapp die Hälfte der Abbrüche in den ersten beiden Semestern, 29 Prozent im dritten oder vierten, Motive)
  5. Musterrechtsverordnung gemäß Artikel 4 Studienakkreditierungsstaatsvertrag (Kultusministerkonferenz, Beschluss vom 21. November 2024) (30 Leistungspunkte je Semester, 25 bis 30 Zeitstunden je Punkt, 180 Punkte für den Bachelor, Regelstudienzeiten)
  6. Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (Kultusministerkonferenz, Beschluss vom 6. März 2009) (allgemeine Berechtigung für Meister und Fortbildungsabschlüsse ab 400 Stunden, fachgebundene nach Ausbildung plus drei Jahre Praxis)
  7. Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen (Justitiariat der Universität zu Köln) (§ 64 HG NRW, Anwesenheitspflicht nur unter engen Voraussetzungen, Abwesenheit unter einem Drittel unschädlich)
  8. Hinweise an Studierende des IMK zum Thema Plagiat (Universität Hamburg, Institut für Medien und Kommunikation) (Plagiat als Täuschung, Note 5,0, Meldung an den Prüfungsausschuss, Eigenständigkeitserklärung)

Über den Autor

Farhad Ba-Ali

Farhad Ba-Ali baut Notibo in Odense, Dänemark. Er schreibt über Lernmethoden, Gedächtnis und Notizen, ausgehend von den Fragen, die Studierende einschicken, und von dem, was die Daten des Produkts zeigen.

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